Will die Regierung die „Nikotindrogen-Suchtwelle“ ernsthaft bekämpfen, muss sie sich für einen umfassenden Schutz vor Passivrauch und Dampfemissionen durch E-Zigaretten und Tabakerhitzern im Freien einsetzen. Öffentliche Orte, an denen viele Menschen zusammenkommen, müssen konsequent rauchfrei werden. Dazu zählen: Haltestellen, Außengastronomie, Parks, Spielplätze, Sportstätten, Märkte und stark frequentierte Fußgängerzonen. Nur wenn man das Rauchen und Dampfen in der Öffentlichkeit drastisch einschränkt, wird es für Kinder und Jugendliche immer weniger nachahmenswert.
Das Wegwerfverbot von Tabakprodukten und verwandten Erzeugnissen, sollte grundsätzlich überall gelten und nicht nur auf öffentlichen Spielplätzen. Echter Kinderschutz braucht bundesweit verbindliche Rauch- und Dampfverbote auf Spielplätzen und überall dort, wo Kinder und Jugendliche, also auch auf allen Sportplätzen und in Stadien, geschützt werden müssen! Zigarettenstummel sind der am häufigsten illegal verbreitete Kleinmüll weltweit. Neu hinzu kommen die vielen weggeworfenen Nikotinbeutel und andere Nikotinprodukte. Warum wird diese Umweltverschmutzung nicht mit hohen Strafen sanktioniert?
Das bisherige Zulassungsverfahren in nur eine Meldeverpflichtung abzuschwächen, ist ein katastrophaler Kniefall vor der Tabak- und sonstigen Nikotindrogenindustrie mit fatalen Auswirkungen! Damit gelingt es dieser „todbringenden Industrie“ wesentlich leichter als bisher, mit immer neuen Produkten und Technologien, Kinder und Jugendliche früher nikotinabhängig zu machen, um ihren Fortbestand zu sichern. Wenn das Gesundheitsministerium, aus welchen Gründen auch immer, gegen die in Verkehr zu bringenden Produkte nicht innerhalb von sechs Monaten beeinspruchen, wäre das neue Produkt nach diesem Entwurf automatisch genehmigt! Das muss unbedingt verhindert werden!
Das Fortbestehen der Tabak- und sonstigen Nikotindrogenindustrie ist grundsätzlich unvereinbar mit den Menschenrechtsgrundsätzen wie auch den Zielsetzungen der WHO-Tabakrahmenkonvention, der Österreich 2005 im Parlament zugestimmt hat. Die Industrie verletzt damit das Recht auf Gesundheit, das Recht auf eine gesunde Umwelt und die Rechte der Kinder und Jugendlichen, gesund und rauchfrei aufwachsen zu dürfen. Eines sollte den Gesundheitsverantwortlichen klar sein: Die Tabak- und sonstige Nikotindrogenindustrie trägt nicht zur Problemlösung bei, sie ist das Problem!
Robert Rockenbauer
Österreichische Schutzgemeinschaft für Nichtraucher
Erschien als Gastkommentar leicht gekürzt in der Tiroler Tageszeitung am 3.2.2026 auf Seite 2.